Feature: Jasmin Kosubek

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Wir leben in einer liberalen Demokratie, sagt man. In unserem Land kann und darf man einfach alles machen und sein: sein Geschlecht mehrfach nach Lust und Laune wechseln, die Grenzen des Landes öffentlich negieren, Plakate mit Sprüchen wie „Deutschland verrecke“ durch die Gegend tragen, Kinder in Kitas frühsexualisieren und natürlich auch ausgiebig in der sozialen Hängematte herumduseln.

Alles kein Problem, alles absolut akzeptabel. Anders sieht es aus, wenn man vom Mainstream abweicht. Wer durch eigene Leistung etwas erreicht, nun das ist dann zumindest etwas ungewöhnlich. Eine Sympathie für Trump gilt definitiv schonals bedenklich, während man sich mit Putin fast schon ins gesellschaftliche Aus katapultiert. Das macht man einfach nicht und so soll man einfach nicht in Deutschland sein! Eine Unterstützung der AfD hingegen entspricht schon fast einer Feststellung des Status „vogelfrei“.

Was die Medien angeht, so ist eine Mitarbeit bei der Süddeutschen, FAZ, taz, Zeit, Spiegel, Stern und Welt absolut gerngesehen und entspricht nahezu einem Prädikat. Beim Cicero wird es schon etwas schwieriger, aber bei der Jungen Freiheit ist es dann spätestens ganz vorbei!

In eben jener Jungen Freiheit las ich ein Interview mit der Moderatorin Jasmin Kosubek. Frau Kosubek arbeitet bei RT Deutsch, also bei Russia Today Deutsch. Dort moderiert sie seit 2014 die Sendung Der Fehlende Part.

Da die Junge Freiheit selbst regelmäßig Kontroversen über ihre politische Ausrichtung ausgesetzt ist, erwartete ich von dem Interview eine deutlich differenziertere Arbeitsweise als bei den anderen genannten Blättern, doch ich wurde eines Besseren belehrt. Das Interview begann sachlich, driftete dann aber immer wieder in Unterstellungen ab, die allesamt auf der Basis des: „Sie arbeiten für einen russischen Sender, da gibt Ihnen ja wahrscheinlich Putin selbst Anweisungen“-Niveaus rangierten. Selbstverständlich nannte der Interviewer nicht ein einziges konkretes Beispiel, wo sich Jasmin Kosubek denn vielleicht nun konkret an Direktiven direkt „aus dem Kreml“ gehalten haben könnte, sondern beließ es bei passiv aggressiven Unterstellungen. Die Antworten von Frau Kosubek blieben aber stets souverän, obwohl man sich durchaus den Unmut über die unsachliche Vorgehensweise der Jungen Freiheit bei ihr hat vorstellen können.

Nun stößt sich als auch eine Zeitung, die von Mainstream-Journalisten irgendwo zwischen Konservatismus und Rechtsextremismus (!) verortet wird daran, dass eine Moderatorin für einen russischen Sender arbeitet. Hier fühlte ich mich dann doch irgendwie in die Zeiten des Kalten Krieges zurückversetzt, wo diese Tätigkeit wahrscheinlich sofort den Vorwurf des Hochverrats nach sich gezogen hätte!

Einige Wochen nach dem Interview mit der Jungen Freiheit erschien dann ebenfalls in der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) ein Interview mit Jasmin Kosubek. Der Tonfall des Gesprächs erinnerte aber wieder an das vorherige Interview mit der JF. Direkt zu Anfang wurde nach den Russischkenntnissen und der Anzahl ihrer Aufenthalte in Russland gefragt, um selbst dem unbedarftesten Leser sofort klarzumachen, dass man es mit einer zwielichtigen Person mit Russlandbezug zu tun hatte. Weiter geht es mit Suggestivfragen, die sowohl RT Deutsch als auch die Moderatorin in die Schmuddelkind-Rolle drängen sollen: Wie fühlen Sie sich als Stimme Russlands in BerlinWas haben Ihre Freunde gesagt, als sie bei RT Deutsch angeheuert haben? 

Generell folgte das Interview dann der Agenda, dass mittels komplexer Fragestellungen umfangreiche Antworten generiert wurden, die dann für die Stereotypen Vorwürfe der Propaganda aufgegriffen und umgedreht werden konnten.

Indirekt wurde Jasmin Kosubek dann auch unterstellt, sie wäre aus den gleichen Gründen zu RT Deutsch gegangen, wie einst andere Moderatoren zu VIVA oder MTV: als Sprungbrett für die Karriere.

Roter Faden war aber eigentlich der Wunsch nach einer Rechtfertigung der Journalisten, weshalb Frau Kosubek nun eigentlich wirklich für RT Deutsch arbeitet. Dies ist natürlich an Arroganz kaum zu überbieten, was dann folgerichtig auch die Temperatur des Gesprächs deutlich anhob. Richtig großes Kino war dann die Definition eines Idealisten, der von den NOZ Journalisten aufgestellt wurde: „Gemeint ist, ob Sie die Gesellschaft verändern wollen im Sinne Ihrer Ideale?“ Die Jungs von NOZ wollten also eigentlich nicht wissen, ob Frau Kosubek eine Idealistin ist, sondern ob sie als Überzeugungstäterin für Putin unterwegs ist

Das Gespräch erreichte dann seinen merkwürdigen Tiefstpunkt, als Frau Kosubek und RT Deutsch in einem Beitrag zum Fall Skripal zuerst indirekt und dann letztlich auch ganz offen die Verbreitung einer Verschwörungstheorie vorgeworfen wurde.
Dies scheint die letzte Option der Massenmedien zu sein, wenn diese auf eine konträre Meinung treffen: Das kann nur eine Verschwörungstheorie sein, denn „Beweise“ hat die Gegenseite ja keine!
Nun ist dies aber ein mehr als kurzsichtiges Verhalten. Die etwas älteren Leser meines Blogs kennen nämlich noch die Zeiten, als z.B. Politiker mit umfangreichen Aktenmaterial in Talkshows und zu anderen Presseterminen erschienen sind. Diese Tage sind längst vorbei und zumindest in den Talkshows gibt es die klare Ansage: Kein Aktenmaterial!

Wenn nun also Journalisten plötzlich nach „Beweisen“ fragen, wo sind dann deren eigene Beweise? Ist die Angabe der britischen Regierung im Fall Skripal über „Beweise“ zu verfügen, dann schon ein genügender Beweis? Oder sind es selbige Aussagen der französischen oder amerikanischen Regierung im vermuteten Chemiewaffen Angriff in Duma, die dann erneut zum Angriff auf Syrien geführt haben?

In Wahrheit wurde auch in dem Interview der NOZ erneut der Riss durch Deutschland deutlich: das Establishment versucht seine Positionen um jeden Preis zu schützen. Dieser Kampf hat jedoch mit Beweisen, Wahrheit und Journalismus grundsätzlich gar nichts zu tun. Anstelle dessen geht es um Arbeitsplatzerhalt (siehe aktuell das Ende der Neon), kulturelle Hegemonie und die Ausschaltung von Konkurrenz!

Ich habe bereits mehrfach den Fehlenden Part gesehen und habe die Sendung als sehr angenehmes Intermezzo in der ausschließlich linksliberal geprägten Medienlandschaft empfunden. Das Interview brachte mich zum Nachdenken und ich googelte etwas nach bereits vorhandenen Artikeln und Informationen über Jasmin Kosubek.

Was ich dabei vorfand, verursachte dann doch entschiedenes Kopfschütteln bei mir. Wenn man die momentan grassierende #MeToo Debatte als Referenzpunkt ansetzt, findet man jede Menge sexistische Anspielungen über die Moderatorin, die einer völlig legalen und auch absolut ehrenhaften Tätigkeit bei einem ausländischen Fernsehsender nachgeht. Ist also Sexismus in Ordnung, wenn man damit antirussischen Ressentiments entsprechen kann?

Wir leben also in einer liberalen Demokratie, deren Freiheitlichkeit sich exakt dann erschöpft hat, wenn eine Person für einen russischen Fernsehsender arbeitet. Wie preiswert ist denn das, bitteschön?

Selbstverständlich bietet sich noch ein anderer Blickwinkel an. Im Fußball ist es eine Binsenweisheit, dass man immer nur den Spieler attackiert, der auch im Ballbesitz ist.

In diesem Fall muss man RT Deutsch und damit im Besonderen auch Jasmin Kosubek ja wirklich gratulieren. Mit ihrer Arbeit hat sie scheinbar schlafende Hunde geweckt, die im Sender und seiner Moderatorin eine ernsthafte Konkurrenz erkannt haben!

Dennoch offenbart die Wahl der Waffen bei der Diskreditierung von Frau Kosubek ein sehr gestörtes Verhältnis zum heutigen Frauenbild und damit verbunden wahrscheinlich auch ein extrem gestörtes Selbstbewusstsein.

Wer RT Deutsch den Generalverdacht des tendenziellen Journalismus  aussetzt, offenbart zudem eine himmelsschreiende Naivität oder ist ein Heuchler. Objektiver Journalismus ist ein Mythos, denn er existiert nicht. Die Journalistin Dunja Hayali sagte einmal, dass Journalisten nur die Realität wiedergeben. Damit reagierte Hayali auf den Vorwurf der Lügenpresse und sie sprach damit eine Wahrheit aus, denn Journalisten schildern die Realität aus ihrer Perspektive. Die vorherrschende Perspektive in den Medien ist nun linksliberal und damit natürlich auch tendenziös! RT Deutsch und Jasmin Kosubek entsprechen nicht diesem Schema, sondern setzen deshalb andere Tendenzen. Ist das aber nicht ein Kennzeichen einer liberalen Demokratie, oder darf auch hier nur eine einzige Perspektive vorherrschen?

Was aber hinter den negativen Schlagzeilen über RT Deutsch in Wirklichkeit mitschwingt, ist der meist unausgesprochene Vorwurf der Propaganda. Propaganda ist aber nun kein Synonym für tendenziösen Journalismus und wer RT Deutsch dies vorwirft, sollte sich fragen lassen, was er nun genau darunter versteht. Oftmals kommt dann das Thema der Finanzierung von RT Deutsch zur Sprache. Russia Today wird faktisch vom russischen Staat finanziert. Bedeutet dies also, dass es sich um einen Propagandasender handelt?

Falls dies so sein sollte, dann haben wir hier in Deutschland ein veritables Problem mit diversen Propagandasendern der deutschen Regierung! ARD, ZDF und die anderen öffentlich rechtlichen Sender werden nämlich faktisch vom deutschen Staat finanziert. Sind also die Moderatoren dieser Sender ebenfalls Propagandisten, wie dies auch Jasmin Kosubek unterstellt wird? Oder ist das beim deutschen Staat etwas anderes, weil es sich ja „um eine liberale Demokratie“ handelt?

Ich möchte Frau Kosubek an dieser Stelle weiterhin viel Erfolg und auch Freude bei ihrer Arbeit wünschen. Im Gegensatz zu vielen anderen Menschen in Deutschland hatte sie den Mut, eine Karriere abseits des Mainstreams zu starten. Denn eines muss hier ganz klar postuliert werden: Jasmin Kosubek hätte ebenfalls ihren Weg beim „deutschen Staatsfunk“ oder bei der ebenfalls nicht ideologiefreien, privaten Konkurrenz gehen können. Sie hat sich aber für einen individuellen Weg entschieden und das kann man eigentlich gar nicht genug anerkennen. Wir haben hier in Deutschland nämlich ein Problem mit Originalen – es gibt zu wenige davon!


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3 Gedanken zu “Feature: Jasmin Kosubek

  1. Detlef Alsbach

    Frau Kosubek erlebt das, was jede Person erlebt, wenn sie für einen Sender oder ein Magazin tätig ist, welches nicht dem Mainstream unterliegt. Die Dame kann machen, was sie will, sie wird immer diskreditiert. Wenn man RT vorwirft, vom russischen Staat finanziert zu werden, dann muss man das auch allen deutschen Sendern nachsagen. Denn erst die deutschen Politiker haben den Zugriff in die Geldbörsen der Bürger möglich gemacht, und zwar uneingeschränkt. Wo ist da also der Unterschied? Würde ich die Dame persönlich kennen, würde ich ihr eine Zusammenarbeit anbieten.

  2. Max Piepenkötter

    Ich kann Ihr Erstaunen über die m.M.n. schleichende Wandlung zumindest einiger Autoren bzw. Gastautoren „meiner“ Jungen Freiheit nachvollziehen – auch ich bin dann und wann über manche Artikel, na ja, sagen wir erstaunt, und versuche herauszufinden, woran es liegt. Vor einiger Zeit hat man sich den Untertitel „Zeitung für Debatte“ zugelegt – unter diesem Aspekt muß man es wohl aushalten.
    Vielleicht liegt es daran, daß die Autoren immer jünger werden und somit ihre geschichtliche Bildung lückenhafter wird. Dieter Stein sollte wachsam sein, damit die JF nicht auch ein Zersetzungsopfer wird.

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