Richter „Rockstar“ zeigt Gauland (AfD) wegen Volksverhetzung an

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Richter „Rockstar“ zeigt Gauland (AfD) wegen Volksverhetzung an

von Stefan Müller

Kennen Sie Thomas Fischer (64)? Es könnte durchaus sein, dass Sie „Deutsch-lands besten“ Strafrichter kennen, denn er sucht das Rampenlicht. Als Richter verfügt man ja an und für sich über einen mehr als anständigen Job – aber leider über relativ wenig Publicity und Personenkult. Aber da gibt es ja Abhilfe, man könnte ja etwas ungemein Mutiges tun! Alternativ könnte man aber auch etwas unglaublich Opportunistisches machen. Letztlich ist das eine Frage des Charak-ters…

Der Richter Thomas Fischer scheint schon während seiner Laufbahn als Bundesrichter stets etwas unterbeschäftigt oder zumindest einseitig belastet gewesen zu sein. Diesen Mangel hat er mit einer Kolumne bei der Zeit Online und mit Fernsehauftritten kompen-siert. Geldmangel sollte man bei einem Juristen, respektive bei einem Richter, nicht un-bedingt vermuten. Also muss da ein anderes Bedürfnis vorhanden gewesen sein, viel-leicht war es der Wunsch, ein Rockstar zu sein? Rockstars bekommen Aufmerksamkeit, Geld, Drugs und Groupies. Vielleicht ist es ja das, was so manchen Vertreter eines an sich sehr langweiligen Berufstands zu träumen beginnen lässt. Wer kann das schon sa-gen, vielleicht war es auch nur schnöde Langeweile?

Heute ist Fischer in Rente bzw. pensioniert, und scheint in ihm schon wieder ein Bedürf-nis aufgekeimt zu sein, denn als Ex-Richter ist er noch uninteressanter, als Juristen an sich schon sind. Jedenfalls scheint er nun ein neues Hobby gefunden zu haben. Vor kur-zem hat er nun Alexander Gauland (AfD) aufgrund seines Vorschlags zur „Entsorgung“ der SPD Frau Aydan Özoguz nach Anatolien wegen Volksverhetzung angezeigt.

Es zeigt natürlich von unglaublichem „Mut“, wenn man 2017 auf die sogenannten Rechtspopulisten einprügelt. Man muss Alexander Gauland dabei keinesfalls als Entsor-gungsfachmann feiern oder ihn und seine Auslassungen auch nur annähernd gut finden. Ich persönlich mag auch seinen casualigen Dandylook mit Hundekrawatten nicht. Eben-so mag ich auch nicht seine Ansicht über seine bevorzugte Nachbarschaft und auch nicht den Ringeltanz, den er im Anschluss in einem TV-Studio aufführte, um doch noch irgendwie aus der Nummer herauszukommen. Cojones sehen anders aus …
Was man aber im Zusammenhang zu der aktuellen Entsorgungs-Äußerung nicht ver-gessen sollte, ist der Kontext. Ja, ich weiß – denken ist so unglaublich lästig, aber leider nötig. Denn was hat Gauland zu seiner Aussage motiviert? Warum sagt er das über die SPD-Frau mit türkischem Migrationshintergrund? Warum fragt sich das eigentlich nie-mand in der schreibenden Zunft?
Frau Özoguz hat z.B. einmal im Tagesspiegel gesagt, dass „…keine spezifische, deut-sche Kultur identifizierbar sei…“. Die Integrationsbeauftragte des Bundes sagt also nichts anderes, als dass die Gesellschaft (in die sie Menschen erfolgreich integrieren soll) grundsätzlich über keine spezifische Identität verfügen soll. Wir Deutsche sind also Menschen ohne Identität? Wäre das nicht ein passender Anlass zu einem Shitstorm? Oder wenigsten zu etwas Entrüstung?

Zu diesem Zitat äußerte der sich von manchen Journalisten schmissig als „Nestbe-schmutzer“ titulierte Ex-Richter Fischer natürlich nicht und er zeigte Özoguz auch nicht an. Es ist doch viel bequemer und erfolgversprechender, sich aufgrund eines flotten Spruchs gegen einen Vertreter der Opposition zu wenden, denn da kann er sich der Rü-ckendeckung von Journaille und Politik sicher sein.

Verhält sich so aber ein echter „Rockstar“? Hätten sich Sid Vicious, Kurt Cobain oder Mick Jagger so verhalten? Nein, denn Rockstar zu sein bedeutet, gegen Konventionen zu verstoßen. Ein Rockstar knattert seine Groupies durch und stellt sich nicht anstelle dessen mit seinen pickeligen Freunden zum Kekswichsen in eine Reihe!

Generell schreiben Rockstars auch eher selten Anzeigen und regeln anstelle dessen die Angelegenheit unter sich bzw. lassen ihre Kontakte zu den Hells Angels spielen. Anzeigen und Opportunismus sind eher das Metier von Bürokraten, Höflingen und Hofschranzen.

Seit Beginn der Flüchtlingskrise 2015 gab es laut Zeit etwa 1.000 Anzeigen wegen Hochverrats gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Alle 1.000 Anzeigen wurden als gegenstandslos erklärt und ihnen wurde nicht stattgegeben. Dennoch war jeder dieser 1.000 Antragsteller ein besserer Rockstar als der Pensionär Fischer.
Rockstars, Revolution und Revolte richten sich gegen das Establishment, gegen das System und damit gegen die Regierung. Alles andere ist im besten Fall modisch lackier-ter Opportunismus, Duckmäusertum oder letztlich Kadavergehorsam!

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